Claude Mythos Preview ist Anthropics neuestes Frontier-Modell (veröffentlicht 7. April 2026) — das erste in der 10-Billionen-Parameter-Klasse. Es ist so leistungsfähig in Cybersicherheitsaufgaben, dass Anthropic es nicht öffentlich released, sondern nur über Project Glasswing an ausgewählte Partner.

Modellprofil

  • Parameter: ~10 Billionen — erste Modell dieser Gewichtsklasse
  • Trainingskosten: schätzungsweise $10 Milliarden
  • SWE-bench: 94% — höchste bekannte Punktzahl auf diesem Coding-Benchmark
  • Veröffentlichung: kein Public Release; kontrollierter Zugang über Project Glasswing

Die Fähigkeiten entstanden laut Anthropic nicht durch gezieltes Sicherheitstraining, sondern als Nebeneffekt allgemeiner Verbesserungen in Code, Reasoning und Autonomie.

Cybersecurity-Fähigkeiten

Der entscheidende Unterschied zu Opus 4.6 ist nicht graduell, sondern kategorial. Anthropics interne Tests:

  • Opus 4.6: ca. 0% Erfolgsrate bei autonomer Exploit-Entwicklung
  • Mythos Preview: 181 funktionierende Exploits bei gleichem Firefox-Test (Opus: 2)

Mythos Preview kann Zero-Day-Schwachstellen in allen gängigen Betriebssystemen und Browsern finden und ausnutzen — darunter komplexe JIT-Heap-Sprays, Kernel-KASLR-Bypasses und mehrstufige ROP-Chains.

Konkrete Funde:

  • OpenBSD SACK-Bug (27 Jahre alt): Fehler in der TCP-SACK-Implementierung, kombiniert aus zwei Randbedingungen und einem Integer-Overflow — ermöglichte Remote-Denial-of-Service
  • FFmpeg-Bug (16 Jahre alt): Schwachstelle in einem der meistgetesteten Open-Source-Medienprojekte weltweit, das unter anderem täglich durch industrielles Fuzzing geprüft wird

Nicht-Experten konnten Mythos über Nacht bitten, RCE-Schwachstellen zu finden — und am Morgen einen fertigen, funktionierenden Exploit vorfinden.

Zugangspolitik

Mythos Preview ist nicht öffentlich verfügbar. Anthropic gab initialem Zugang an zwölf Partner:

Amazon, Cisco, Apple, Google, Microsoft, NVIDIA, JPMorgan Chase, Crowdstrike, Palo Alto Networks, AWS, The Linux Foundation, Broadcom

Zusätzlich stellt Anthropic $100 Mio. in Compute-Credits für Project Glasswing bereit.

Die Logik: Verteidiger sollen Schwachstellen finden und patchen, bevor Modelle mit ähnlichen Fähigkeiten breit verfügbar werden.

Kontroverse

KI Anthropomorphisierung ist bei der Mythos-Präsentation besonders ausgeprägt. @atmoio analysiert, wie der “Impressions”-Abschnitt der System Card (20 Seiten Mitarbeiter-Reaktionen auf Modell-Output) Marketing ist, keine Wissenschaft — und wie das Modell bewusstseinsnahe Sprache produziert, weil Anthropics eigene Blogposts im Trainings-Korpus stecken.

Nina Schick liest Mythos als Inflection Point und fragt rhetorisch, ob es nicht sehr teures AGI sei. Die Antwort ist ein Streitpunkt: Mythos ist ein Modell mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber kein autonomes System.

Verbindungen

  • Project Glasswing — Initiative, die auf Mythos Preview aufbaut
  • Anthropic — Entwickler und Betreiber
  • Dario Amodei — CEO, treibende Stimme hinter der defensiven Freigabestrategie
  • Claude Code — nutzt Mythos im Security-Testing-Scaffold (agentic vulnerability finding)
  • KI Anthropomorphisierung — strukturelles Muster in Anthropics Mythos-Kommunikation
  • @atmoio — kritische Video-Analyse der System Card

Quellen